Film ist Kunst und keine Unterhaltung

Rettet das Kino weil fürs Kino werden Filme gemacht

Bin-Jip 9/10 21 Januar, 2007

Gespeichert unter: Geheimtipp, Kritiken — The MulhollandClockwork @ 8:09

Ein Kim Ki-Duk Film. Südkorea 2004

Mein Geheimtipp des Kinojahres 2005. Ein stilles Meisterwerk das kaum Beachtung fand. Aber hiermit rufe ich jeden, der diese Zeilen liest, auf, schaut bitte Bin-Jip an. Gebt diesen Meilenstein eine Chance.

Bin-Jip (3er Eisen beim Golf) kommt mit einem sehr eigenen und speziellen Erzählungsstil daher. Die Geschichte ist sehr simpel aufgebaut, strotzt jedoch mit Genialität. Tae-suk (Hee Jae) hat eine sehr eigene Lebensweise. Er fährt durch die Stadt und hängt Werbezettel an Haustüren, um so festzustellen, ob die Besitzer verreist sind. Falls sie verreist sein sollten, bricht er dort ein und macht es sich bequem. Es lebt in dieser Zeit dort als ob er da wirklich Wohnen würde und statt Miete zu zahlen, hält er alles Instand was gepflegt werden muss. Er repariert Kleinigkeiten und gießt die Blumen. Doch Einästags trifft er eine Frau in einer der Wohnungen. Und das Unglück nimmt seinen Lauf. Es beginnt eine stumm kuriose Odyssee der Liebe und des Lebens.

Die Mischung aus dem Einfachen (keine Dialoge, sehr ruhige Geschichte) und dem Komplexen (Mimik, einzigartige Geschichte,) versetzt den Zuschauer wieder in die Anfänge des Kinos. So müssen Filme sein. Es geht um bewegte Bilder und nicht um die Dialoge. Es geht um die Charaktere und ihre Geschichten. Motion Pictures, bewegte Bilder. Man muss sich erst an den ruhigen Erzählungsstil von Kim Ki-Duk gewöhnen. Zwar wird wenig in diesem Film gesprochen, trotzdem wurde es nicht mal ansatzweise langweilig. Denn der Regisseure wusste zu jedem Zeitpunkt, wie man den Zuschauer immer fester in seinen Bann zeiht. Die Ruhe wirkt sehr Meditativ. Ein Film zum Abschalten vom Leben. Da im Film nicht so viel gesprochen wird, lebt der Film sehr von Körpersprache, Gestik, Mimik, Situationen und vor allem von Bildern. Und da wären wir am wichtigsten und schönen Teil von Bin-Jip, die Bilder. Die Visualität ist Phänomenal und kaum in Worte zu fassen. Selbst wenn 5 Minuten nur die Landschaft gezeigt wird, sitzt man hellwach im Kino und will mehr sehen. Die Bilder machen süchtig, vor allem auf einer großen Leinwand. Und hier komm ich zum einzigen kleinen Kritikpunkt. Bin-Jip lebt sehr von den Bildern und der Körpersprache der Schauspieler. Auf einem normalen Fernseher wird wohl sehr viel dieser bezaubernden Magie verloren gehen. Ich bin mir da auch nicht so sicher ob er überhaupt außerhalb des Kinos funktionieren wird.

Bin-Jip ist ein Film der mich lange nicht mehr losgelassen hat. Jeder sollte ich mal gesehen haben. Ein Plädoyer fürs Kino. Ein Plädoyer für den besonderen Film. GEHEIMTIPP

Trailer

 

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